Auswirkung von Kälte auf die Hormonproduktion

Durch unsere dem Wetter angepasste Kleidung ist es dem Menschen möglich, sich in jeder Region auf dem Globus aufzuhalten. Natürliche Anpassungen durch Erhöhung der Körpertemperatur bei Kälte ist wie bei wild lebenden Tieren nicht mehr nötig. Somit hat der Mensch über die Zeit eine an die Witterung angepasste Thermoregulation verloren.
Hitze wird durch Muskelarbeit und durch chemische Reaktionen im Körper hervorgerufen. Oxidative Phosphorylierung (ATP Energiegewinnung durch Sauerstoff) durch Kohlenhydrate oder Fett erzeugen die Wärmeenergie.
Die Schilddrüse, Nebennierenhormone und das sympathische Nervensystem regulieren die Energiegewinnung in den Mitochondrien der braunen und weißen Fettmasse, sowie der Muskelmasse. Tiere bei denen die Schilddrüse oder Nebennieren entfernt wurden, können Kälte nicht mehr tolerieren.
Durch die Hormone bei Kälteeinwirkung wird zusätzlich der Metabolismus erhöht, was sich auch in erhöhtem Blutdruck bemerkbar macht. In diesem Artikel geht es vornehmlich um die hormonellen Auswirkungen der Kälteeinwirkung. Hier geht es jetzt rein um die möglichen hormonellen Auswirkungen von Kälte.


Hormone durch Kälte beeinflussen?

Hormone durch Kälte beeinflussen?

Schilddrüsenhormone:
Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) werden in den Blutkreislauf an Proteine gebunden abgegeben. Diese erhöhen dann die Wärmeproduktion und sind somit sehr wichtig bei der Kälteanpassung.
In verschiedenen Studien wurde die Auswirkung auf Kältetraining über kurze oder lange Zeit untersucht. Eine kurze Zeit in kalten Temperaturen verändert das Hormonlevel nicht. Lange Zeit in kalten Temperaturen sinkt den Hormonspiegel, was Auswirkungen auf die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit haben kann. Eine Supplementation mit T4 zeigte eine deutliche Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit bei Personen, die in der Antarktis arbeiten mussten.

Nebennierenhormone:
Cortisol mobilisiert Glucose, Aminosäuren und freie Fettsäuren. Gleichzeitig erhöht es den vaskulären Tonus (Spannungszustand der Gefäße) und unterdrückt Immunantworten (Allergien/Reaktionen etc.).
Die Studien sind teils widersprüchlich. So zeigen einige Studien bei Kälteeinwirkung ein steigenden Cortisolspiegel. Andere wiederum einen sinkenden Spiegel oder keine Veränderung.

Aldosteron (Steroidhormon, reguliert Natrium/Kalium und Blutdruck) wird nicht durch 4° kalte Luft über eine Stunde beeinflusst. Legt man jedoch seine Hände für 2min in 0° kaltes Wasser, steigt der Spiegel. Wasser mit weniger als 21° scheint einen Einfluss auf den Aldosteronspiegel zu haben.

Adrenalin und Noradrenalin beeinflussen das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus). Noradrenalin wird bei Stresssituationen gebildet (niedriger Blutzuckerspiegel, Kälte, Blutungen, niedriger Blutdruck). Mehr Studien deuten darauf hin, dass Noradrenalin durch Kälte gesteigert werden kann. 5 Minuten in 4° kalter Luft, Hand in kaltes Wasser oder Eiswürfel essen haben ähnliche Effekte. Wenige Studien zeigen allerdings keinen Effekt.

Wachstumshormone stimulieren den Metabolismus von Protein, Kohlenhydraten und Fett. Indirekte beeinflussen sie auch IGF-1, was die Proteinsynthese anregt und eine positive Stickstoffbilanz zufolge hat. Physischer und psychischer Stress erhöhen die Sekretion der Wachstumshormone. Wichtigster Stimuli ist ein niedriger Blutzuckerspiegel. Proteinlevel und reduziertes Level an freien Fettsäuren stimuliert die Produktion von Wachstumshormonen. Aufnahme von Glucose reduziert die Produktion. Zu hohe Level an Wachstumshormonen wird durch einen Feedbackmechanismus reduziert.
Kurzzeiteinwirkung von Kälte halt keinen Effekt auf die Produktion. Generell scheint bei Kälteeinwirkung die Produktion zu sinken. Bei Wärme steigt die Produktion. (Hier Schwimmen bei über 26°)

Generell lässt sich sagen, dass eine kurzzeitige Behandlung mit Kälte keine Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben wird und keinen Vorteil bringt.
Die Studienlage ist hier auch sehr unklar. Die Produktion der Hormone unterliegt sehr starken Schwankungen am Tag und viele werden meist in der Nacht produziert. Die Studien allerdings am Tag durchgeführt. Auch Cortisol ist im Tagesverlauf sehr stark schwankend.

Zusammenfassend lässt sich keine eindeutige Empfehlung für Kältebehandlung zusammenfassen. Es empfiehlt sich aber kurz nach den Training mit kalten Wasser abzukühlen und Erholungsmaßnahmen schnellstmöglich einzuleiten. Zur Regeneration empfiehlt sich Wärmebehandlung (mit Blick auf die Wachstumshormone). Längerfristige Kältebehandlung kann aber die Produktion von braunem Fettgewebe und die Abhärtung gegen Kälte Vorteile bringen.

Interessant: Versucht immer kühl zu schlafen. Das scheint einen positiven Effekt auf den Cortisolspiegel in der Nacht zu haben und den Körper zu entspannen und gleichzeitig mehr Testosteron zu bilden. Vielleicht auch versuchen vor dem Schlafen einmal kühl zu duschen. Weniger Cortisol in der Nacht bedeutet mehr Erholung und gleichzeitig mehr Cortisol am Tag (wenn wir es brauchen). Gleichzeitig verhindert zu viel Wärme und damit verbunden ein schlechter Schlaf einen optimalen Wachstumshormonhaushalt und Melatoninproduktion. (Quelle)

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Wärme scheint eine positive Auswirkung auf die Produktion der Wachstumshormone zu haben

Übersicht:

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