Mythos hohe Ketonwerte? Wie hoch müssen die Werte sein?

Mythen über die Ketonwerte:

Jeder Mensch ist unterschiedlich und wird die Ketonkörper und Fettverbrennung unterschiedlich nutzen. Dabei kommt es z.B. auf die Muskelfaserzusammensetzung, gesamte Muskelmasse, Aktivität über den Tag und viele andere Kleinigkeiten (Darmbakterien, braunes Fettgewebe, Gehirnaktivität, Hormone etc.) an.
Selbst wenn zwei Personen genau die gleiche Makronährstoffverteilung und Kalorien essen, wird es unterschiedliche Ketonwerte und Bluzuckerwerte geben.
Eine wirklich Adaption kann durch solche Mythen noch schwieriger werden, da sich auf einzelne Zahlen konzentriert werden, die vielleicht gar nicht erreicht werden oder erreicht werden müssen!

1. Höhere Ketonwerte zeigen mehr Körperfettverlust an.

Ketonkörper sind ein Produkt der Lipolyse aber kein Indikator für den Verlust von Körperfett, da auch durch Gluconeogenese Ketonkörper produziert werden.
Bei 8000 kcal aus Butter wird der Körper mit Sicherheit kein Körperfett abbauen, aber dennoch in Ketose sein, da er die Fette aus der Nahrung nutzt. Somit hat der Verlust an Körperfett nichts mit der Ketose zu tun. Weiterhin könnte man auch mit vielen Kohlenhydraten Körperfett verlieren und gar nicht in Ketose sein.

2. Blutketonwerte von 1-1,5 mmol/l ist nicht gut genug.

Leider versteifen sich viele noch auf die möglichst tiefe Ketose. In meinem letzten Artikel zu diesem Thema habe ich schon aufgezeigt, dass dieses auch negativ sein kann.

METABOLIC STATE BLOOD KETONE LEVELS (BETA-OHB, MMOL/L)
Mixed diet 0.1-0.2
Overnight fast on mixed diet < 0.5
Nutritional ketosis 0.5-5.0
Medically therapeutic ketosis 2.0-7.0
Total starvation 5.0-8.0
Diabetic ketoacidosis 15-25

Menschen mit einer normalen Ernährung haben normalerweise sehr niedrige Ketonwerte und werden selbst beim Fasten über Nacht nicht über 0,5 mmol/l hinauskommen. Selbst wenn der Blutketonwert bei 1,0 ist, wäre es immer noch 10 mal höher, als bei jedem Anderen, der keine ketogene Ernährung macht. Das zeigt jedoch, dass Hauptenergiequelle das Fett ist.
Gleichzeitig hat Training ebenfalls einen großen Einfluss auf die Ketonwerte. Moderates Ausdauertraining kann durch die reine Fettverbrennung die Werte stark erhöhen (Gerade in der Atemluft und Urin). Bei intensivem Training können die Ketone als Energiequelle genutzt werden und dadurch die Werte sinken. Normalerweise steigen sie dann über Nacht wieder an.

3. Der Blutglucosewert ist ein direkter Indikator für die Ketonlevel

Natürlich ist es so, dass mit steigendem Ketonwert die Glucosewerte in der Regel sinken werden. Wie aber auch schon im anderen Artikel geschrieben, kann es unter bestimmten Bedingungen (Sport etc.) zu einem Anstieg von beiden Werten kommen.
Weiterhin spielt auch die Insulinsensitivität eine Rolle, wie schnell die Glucose aus dem Blut wieder herausgeholt wird. Es ist also möglich mit einem Glucosewert von 90mg/dl bei einem Ketonwert von 2,0 zu sein. Bei mir waren auch schon Ähnliche Werte bei Blutglucose über 100-110 (Den Abend vorher viel gegessen) gleichzeitig Ketonwerte von 1,5-2,0 zu sehen.

4. Die Urinstix müssen möglichst dunkel sein

Ähnlich wie bei den Blutwerten zeigen die Urinstix nur an, ob man in Ketose ist und Ketonkörper produziert oder nicht. Die Ketonkörper im Urin reduzieren sich sowieso nach einer Anpassung. Weshalb möglichst hohe Werte nicht positiv wären. Trinke ich zu wenig, so kann der die Konzentration höher sein. Trinke ich sehr viel und ist der Urin dadurch mehr mit Wasser vermischt, verringert sich der Wert zwangsläufig. Die Ketostix sind somit nur ein JA oder NEIN. Nicht wie tief. Die Werte hängen wie vorhin schon gesagt ebenfalls sehr von der sportlichen Tätigkeit ab. Meist sind die Werte hier 2-3 Stunden nach dem Sport erhöht.

Somit bitte einfach die Werte vergessen und nicht zwanghaft versuchen möglichst hohe Ketonwerte zu erreichen und sich sorgen machen, wenn sie nicht über 1,0 im Blut liegen. Entweder Ketose oder nicht Ketose.